Energie

Kernkraft? Nein Danke! Raus aus der Kohle! Wohin denn nun?

 Seit Jahrzehnten wird über die Energiepolitik Deutschlands heftig gestritten. Verschiedene Ereignisse beeinflussten die Debatte: das Reaktorunglück von Tschernobyl mit seinen katastrophalen Auswirkungen, die sich ständig verändernden Ölpreise oder die immer stärker durch Studien unterlegten Kenntnisse über den stattfindenden Klimawandel. All diese Themen haben ebenso berechtigt die Debatte berührt, wie sie auch das Finden eines Konsenses über eine langfristige Energiestrategie verhinderten.

Mit dem von der rot-grünen Bundesregierung beschlossenen Atomausstieg bei gleichzeitiger entschlossener Förderung erneuerbarer Energien, schien sich die Diskussion zu beruhigen - bis sie durch den jüngst verkündeten Ausstieg aus dem Atomausstieg durch Schwarz-Gelb fahrlässig wieder zum Aufflammen gebracht wurde. War diese Entscheidung klug, beachtet sie die langfristigen strategischen Überlegungen? Wie könnte ein vernünftiges Energiekonzept aussehen? Welche Rolle spielt die märkische Braunkohle dabei? Diese Fragen sollen hier angerissen und in einem gemeinsamen Besuch bei einem großen Energieerzeuger sowie seinen Kritikern vertieft werden. Dazu möchten wir dich herzlich einladen!

Der Weg zur Energiewende – nur welchen Weg nehmen wir?

Der Klimawandel ist eine Realität. Durch den Ausstoß an klimaschädlichem CO2 tragen wir Menschen maßgeblich zur Vergrößerung des Problems bei, was inzwischen von keinem seriösen Wissenschaftler mehr bestritten wird. Langfristig müssen wir nahezu vollständig auf erneuerbare Energien umsteigen. Doch bis wir dazu technisch in der Lage sind, wird noch einige Zeit ins Land gehen. Die Diskussion konzentriert sich daher auf den Zeitraum, der zur „Überbrückung“ benötigt wird, bis genügend Technologie für den Wechsel von fossilen zu erneuerbaren Energien zur Verfügung steht (daher sog. Brückentechnologie). Das Interesse weiter Teile der Industrie besteht leider vor allem darin, diesen Zeitraum künstlich in die Länge zu ziehen, um noch lange satte Gewinne mit bereits vorhandener und bezahlter Technik abzuschöpfen. Die permanenten Wortmeldungen aus der Industrie sind daher mit Vorsicht zu genießen und tragen – zurückhaltend formuliert – nicht unbedingt zu einer Versachlichung der Debatte bei.

Atomkraft – Heilsbringer für den Übergang?

Als „grüne Brückentechnologie“ bezeichnet die CDU gerne die Atomenergie. Wahr ist daran, dass es bei der Produktion von Atomstrom tatsächlich nur zu einem sehr geringen Ausstoß an CO2-Gasen kommt. Allerdings werden damit andere Gefahren und Probleme dieser Technik der Energieerzeugung verschleiert. Nach wie vor ungeklärt ist etwa die Frage einer Endlagerung der verbrauchten Brennelemente aus Uran, die eine gigantische Menge hoch radioaktiven Strahlenmaterials darstellen und bei fortwährender Nutzung stetig mehr werden. Bislang angestellte Untersuchungen haben noch keine Methode der Endlagerung hervorgebracht, deren Sicherheit auch nur ansatzweise wissenschaftlicher Konsens wäre. Darüber hinaus wird die Umwelt bei der Förderung von Uran stark belastet und nachhaltig geschädigt. Hinzu kommen die Ängste vor dem GAU in einem Atomkraftwerk, etwa ausgelöst durch terroristische Anschläge mit einem Flugzeug oder Schlamperei wie jüngst in Brunsbüttel und Krümmel. Hinzu kommt, dass die als preiswert dargestellte Atomkraft keineswegs für langfristig billigere Strompreise sorgt. Vielmehr steigert sie in erster Linie die Gewinne der Großkonzerne, die sie betreiben. Mögliche Neubauten von Kraftwerken ohne massive staatliche Förderungen durch Garantien und Sicherungen gelten als nahezu ausgeschlossen. Wenn man also die wahren Kosten der Kernenergie betrachtet, ist sie deutlich teurer als es erneuerbare Energien sind. In Anbetracht der enormen Demonstrationen gegen die Laufzeitverlängerung wird immer deutlicher, dass die Deutschen die Kernenergie als solche nicht mehr wollen und ablehnen.

Kohle und CCS – Steinzeitstrom mit Upgrade für die Zukunft?

Ein anderer zur Verfügung stehender Energieträger zur Überbrückung des auslaufenden fossilen Ze italters ist Kohle, in Brandenburg vor allem Braunkohle. Allerdings ist der Ausstoß an Treibhausgasen bei dieser Form der Energieerzeugung sehr hoch. Die Landesregierung und auch Vattenfall als in der Lausitz maßgeblicher Energieerzeuger sind daher nur gewillt die Braunkohle-Verstromung fortzusetzen, wenn die Wirkungsgrade der Kraftwerke erhöht werden und die CCS-Technologie eine Abscheidung und separate Einlagerung des verflüssigten CO2-Gases ermöglicht. Auf diesem Feld wird intensiv geforscht, eine Pilotanlage befindet sich bereits neben dem Kraftwerk Schwarze Pumpe in Spremberg.

Allerdings stößt auch die CCS-Technologie auf großen Bedenken. Die Einlagerung des verflüssigten CO2 soll unterirdisch in tiefen Sedimentschichten erfolgen. Viele befürchten, dass trotzdem Gase an die Erdoberfläche gelangen könnten und Menschen zu Schaden kommen. Zudem wird die Verunreinigung des Trinkwassers durch das vom CO2 verdrängte Salzwasser als mögliche Gefahr wahrgenommen.

Letztlich bestehen bei der Einführung einer neuen Technologie immer Risiken. Die Einschätzung darüber, ob diese in Bezug auf CCS beherrschbar sind, hängt oftmals nicht zuletzt vom eigenen Grad der Betroffenheit durch eine unterirdische Lagerstätte in Wohnortnähe ab. Von einem Aus der CCS-Technik und damit auch zwangsläufig der Braunkohle-Verstromung in der Lausitz wären jedoch ebenso die ca. 5000 bis 10.000 Mitbüger/innen betroffen, die in diesem Bereich beruflich tätig sind. Sie wollen die Braunkohle als Brückentechnologie auch in Anbetracht bestimmter Risiken nutzen und die gewonnene Zeit zur Einleitung eines wirtschaftlichen Strukturwandels in der Region nutzen.

Pro und Contra selbst erfahren? Komm mit in den Süden Brandenburgs!

 Als politische Jugendorganisation wollen wir Jusos uns den aufgeworfenen Fragen nach einer langfristig sinnvollen Energiestrategie und der damit in Brandenburg besonders relevanten CCS-Technologie unvoreingenommen stellen. Als Auftakt laden wir dich daher zu einer Tagesreise in die Lausitz ein. Dort werden wir den Braunkohletagebau Welzow Süd und die CCS-Pilotanlage neben dem Kraftwerk Schwarze Pumpe besichtigen, sowie mit Kritikern des Konzerns, der Technologie und der Kohle über Alternativen der Braunkohle-Verstromung diskutieren.

  • Samstag, 19. März 2011
  • Zeitraum 07:00 bis 18:00 Uhr
  • Abfahrt erfolgt je nach Wohnorten der Teilnehmer von verschiedenen Stellen
  • Für Verpflegung ist gesorgt